ZEITEN ÄNDERN DICH

Buch: Bernd Eichinger; Regie: Uli Edel

Der Rapper Bushido ist in den Medien für menschenverachtende, sexistische, frauenfeindliche Texte usw. berüchtigt. Nun fragt man sich, ob der Film, der seine Lebensgeschichte (in Ausschnitten) erzählen soll, sich ähnlicher Provokationen bedient. Dann wären doch einige Kollisionen mit dem ‘human factor’ vorprogrammiert, was sich problematisch auswirken könnte.

Doch dem ist nicht so. Die filmische Bearbeitung von Bushidos Leben geizt zwar nicht mit Gewalt und derben Sprüchen. Doch zwischenmenschlich wird vor allem der  “Respekt” bestont. Zwar existieren nicht viele Szenen, in denen Bushido selbst anderen Figuren gegenüber Respekt an den Tag legen würde. Aber es gibt doch loyale Figuren, etwa den älteren türkischen Mentor oder vor allem ARAFAT (Moritz Bleibtreu), der sich, wenngleich ziemlich einseitig, sich zweimal als uneigennütziger Retter profiliert.

Vor allem aber in Hinsicht auf die beinahe engelsgleiche Mutter (Hannelore Elsner) bleibt die Loyalität bis zum Schluss unangetastet. Bushido entpuppt sich also als geradezu braver Sohn. Ihr zuliebe singt er sogar mit Karel Gott im Duett! Weiter kann die Aussöhnung mit der Welt der Erwachsenen kaum gehen. Wie nah diese Darstellung an der Wahrheit bleibt, sei dahingestellt. Der emotionalen Aufnahme des Films hilft diese ungebrochene Treue jedenfalls. Zumal dann noch die geradezu christliche Läuterung einstellt, dass Bushido dem Vater vergibt und “sein Herz vom Hass reinigt”. Der humane Duktus der Story wird hier intensiv betont, und darin liegt ein bemerkenswertes Gegengewicht gegen die heftigen Texte von Bushidos Songs.

Die angeblich Frauenfeindlichkeit  konzentriert sich also praktisch auf eine einzige Szene, nämlich die, in der Bushido seine Freundin SELINE (Karoline Schuch) schlägt. Doch indem er aufrichtig versucht, diesen Fehler wieder gutzumachen, bleibt kein Eindruck von Verachtung oder Rücksichtslosigkeit zurück. Bushido wird also insgesamt zwar nicht gerade als ein Meister des zwischenmenschlichen Miteinander dargestellt. Aber das charakterlose Monster, mit desssen Image seine Texte kokettieren, ist er im Film nicht.

Klar im Zentrum steht dagegen das Hohelied auf die Treue zu sich selbst. Bushidos Benachteiligung ist hoch, und die vielen Irrwege, die er gehen musste, kommen klar zum Ausdruck. Immer wieder ist es der Bezug auf die innere Stimme, das Selbstvertrauen, den Glauben an die eigene Bestimmung, die ihn rettet. In Bezug auf die Zielgruppe dürfte diese Botschaft die zentrale sein. Da ist es zwar schade, dass die holperige Dramaturgie die Frage, wie Bushido überhaupt konkret zur Musik kommt, einfach überspringt, und viele soziale Kontakte als lose Enden in der Luft hängen bleiben. Aber die entscheidenden emotionalen Auslöser sind dann doch gut erkennbar. Und indem die soziale Relevanz immer mehr steigt (am Ende wartet ein ausgeputschtes Publikum vor dem Brandenburger Tor auf den Auftritt des Meisters -  wie immer steigert die Anteilnahme von sehr vielen Menschen im Bild die Spannung), findet der Film zu einem echten Höhepunkt.

So wirkt der Bushido in “Zeiten ändern dich” letztlich wie das Schaf im Wolfspelz. Die Schale ist rau, der Kern dagegen vom ‘human factor’ getragen. Vermutlich ist dies die richtige Strategie, um dem Zielpublikum die Figur zu liefern, die sie im Kino sehen will.

MARKTPROGNOSEN:

Eigentlich ist die Reichweite auf ein klar umrissenes Publikum begrenzt. Die Zahl der Bushido-Fans dürfte kaum präzis zu erfassen sein, aber sie ist sicher sehr groß. Es ist anzunehmen, dass der Film die Erwartung der Mehrzahl durch die humane Erzählweise befriedigt.

Eigentlich steht dem Erfolg in Millionenhöhe nichts im Weg. Ob es sich am Ende um zwei Millionen oder vier handeln wird, lässt sich beim besten Willen nicht sagen. Doch irgendwo in diesen Regionen wird man sich das Endergebnis durchaus vorstellen können.

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