NACHTRAG ZU “ZEITEN ÄNDERN DICH”

Zum zweiten mal innerhalb kurzer Zeit kommt es bei der Auswertung eines Films zu erheblichen Abweichungen von der Norm. “Zeiten ändern Dich” lief mit einem sehr guten Besucherdurchschnitt an. Seit der Herausbringung ist aber der Besucherschnitt so dramatisch gefallen wie schon lange nicht mehr. Dies ist äußerst ungewöhnlich und hat einmal mehr nur indirekt mit der Dramaturgie oder dem Film selbst zu tun.

Offensichtlich hat die Person Bushido selbst im Laufe der Medienkampagne erheblich Schaden genommen – oder der Film dem Zielpublikum nicht das geboten, was es sehen wollte. Im International Movie Data Base (Imdb) rangiert der Film mit einer Bewertung von aktuell 1,9 als der 54.-schlechteste Film aller Zeiten! Die Abwehr gegen diese “Schaf im Wolfspelz”-Strategie des Films ist also vehement. Die Rapidität, mit der sich das herumgesprochen hat, ist erstaunlich. Sie deutet einerseits darauf hin, wie gut vernetzt die Zielgruppe ist; und andererseits, wie riskant es ist, Filme so ausschließlich auf eine einzige Besucherschicht hin zu fixieren.

Nach “Nanga Parbat” haben wir es zum zweiten mal mit einer Situation zu tun, die massiv mit der Medienpräsenz der Hauptfiguren zu tun hat. Und beide male schlug der Effekt negativ aus. Übrigens schlägt auch die keineswegs überragende Resonanz auf den “Ghostwriter” in dieselbe Kerbe. Wer glauben mochte, das Publikum sei jetzt besonders wild auf den letzten Polanski, sieht sich getäuscht.

Man kann daraus die Lehre ziehen, dass Medienpräsenz fürs Kino kein Vorteil sein muss. Vermutlich ist es im Gegenteil so, dass Themen oder Figuren, die sich im Fernsehen oder anderen Medien großer Beliebtheit erfreuen, nicht unbedingt im Kino Attraktivität entfalten. Der Versuch, Kinofilme als “Spin off” eines Medienhypes zu konzipieren, ist also sehr riskant. Es ist und bleibt die Story selbst, die im Kino ihre Stärken ausspielen muss. Je autonomer dies der Fall ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit der starken Publikumsresonanz.

Roland Zag

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